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Vom Hof des Kaisers in die Kirche
Predigt zur Weihe der Truhenorgel und des restaurierten Kreuzes in der Unterkirche von St. Maximilian Kolbe
Wenn ich Sie fragen würde, wer ist der Erfinder der Orgel? Ich denke, die meisten würden antworten: Natürlich die Christen! - und würden irgendeinem mittelalterlichen Mönch die geniale Erfindung zuschreiben.
Die Orgel, die "Königin der Instrumente" ist doch das Vorzeige- und Paradeinstrument des christlichen Gottesdienstes. Ohne sie können wir uns die Liturgie unserer Kirche nur schwer vorstellen. Ohne sie würde der typische Musikstil, der unsere Gottesdienstatmosphäre prägt, fehlen. Ohne sie würde in der christlichen Musikgeschichte das tonangebende Instrument fehlen. Die Orgel gehört zu unserer Kirche einfach dazu wie das Amen.
Aber! Die Orgel ist keine Erfindung der Christen. Wie so viele Elemente unseres Gottesdienstes stammt auch die Orgel aus dem römischen Kaiserzeremoniell. Die Orgel ist das Luxusinstrument des römischen Kaiserhofes. Sie ertönte in den Arenen und spielte am Kaiserhof zum Tanz auf. Wenn der Kaiser die Arena zu den Gladiatorenspielen betrat, dann erschallte die Orgel. Aber gerade den Christen waren diese Arenenveranstaltungen verhasst. Denn viele Christen kamen während der Christenverfolgungen bei den Gladiatorenkämpfen oder beim Kampf mit wilden Tieren ums Leben. Man muss sich fragen: Wie ist es möglich, dass das Instrument, das bei diesen tödlichen Schauspielen aufspielte zum Instrument des christlichen Gottesdienstes wurde?
Es brauchte viele Jahrhunderte, bis die Orgel in die christlichen Kirchen kam. Pippin, der Frankenkönig und Vater von Karl dem Großen bekam im 8.Jahrhundert vom byzantinischen Kaiserhof eine Orgel für das königliche Hofzeremoniell geschenkt. Doch Pippin stellte die Orgel in die Kirche. Sie sollte nicht zum Tanz, nicht zur Darstellung der eigenen Macht, sondern zur Ehre Gottes eingesetzt werden. Nicht ohne Widerstand setzte sich die Orgel aufgrund der belasteten Vorgeschichte als das typische Instrument des Gottesdienstes durch. Sie fasste auch nur in der westlichen lateinischen Kirche Fuß. Die orthodoxe Kirche kennt die Orgel bis heute nicht, sondern setzt allein auf die Schönheit der menschlichen Stimme. Wie soll ein Instrument zu Ehren Gottes und des Gekreuzigten erklingen, das doch für christliche Ohren einmal Symbol einer Macht war, unter der die Christen schwer zu leiden hatten. Wie sollte ein Instrument die christlichen Herzen erheben, bei dessen Erklingen in der Verfolgungszeit die Herzen zu flattern begannen und Christen Hohn und Spott erdulden mussten?
Dies konnte nur geschehen, indem die Christen zu der Überzeugung kamen: Der da ohnmächtig am Kreuz hängt, den erkennen wir als den eigentlichen Herrn unseres Lebens an. Die Worte, die wir von ihm kennen, die sind für uns "Evangelium", eine Botschaft, die zum Leben hilft und nicht die Erlässe und Versprechungen der Mächtigen und Großen.
Wir segnen in dieser Stunde unsere neue Truhenorgel und das restaurierte Kreuz. Das sind nicht Gegenstände, die nicht zueinander passen. Das sind nicht nur Schmuck- und Prunkstücke. Geschichtlich betrachtet symbolisieren sie Gegenwelten: Musik nicht für die Mächtigen sondern für einen, der selbst unter ihre Räder kam. Die Klänge der Orgel und die Lieder, in die wir unter Begleitung der Orgel einstimmen bringen zum Ausdruck, was der Hymnus aus der Offenbarung des Johannes bekennt: Gott und dem Gekreuzigten allein "gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit."(Offb 5,13)
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